Auf dem Gebiet von Moitzfeld waren es die
Die Grube Weiß beschäftigte etwa 450 Arbeiter (1910 noch 360 Arbeiter). An die Grube Berzelius war die Grube Georg Forster angebunden.
1907 lag der Bergbau im Bensberger Erzrevier in der Hitliste für die Weltproduktion an
Nach dem 1. Weltkrieg fielen drastisch die Weltmarktpreise und führten letztendlich zur unwiderruflichen Stillegung des Bergbaus in Moitzfeld.
Im Bensberger Raum schloß die Grube Lüderich bei
Altenbrück/Unterschbach als letztes Bergwerk am 31. Oktober
1978 und stellte ihren Betrieb ein.
Es wird vermutet, dass der Erzbergbau in Moitzfeld und
Umgebung auf die Römerzeit zurückgeht und sich von da an bis
ins hohe Mittelalter hielt. Schlüssige Dokumente existieren
hierfür jedoch nicht.
Sicher aber ist, dass an der Wende vom 15. auf das 16.
Jahrhundert bekannt war, dass hier Erze im Boden ruhten.
Am 23. August 1512 erteilte Herzog Johann der Friedfertige
von Berg, den Herren Hans Unger und Rütger Osthoff das Recht,
"auf dem Hohn" im Kirchspiel Bensberg nach Erz zu graben. Mit
der Bezeichnung "auf dem Hohn" dürfte im weitesten Sinne die
spätere Grube Weiß gemeint sein.
Eine andere Urkunde aus dem Jahre 1518 belegt, dass auch ein
Johan up dem Stryck beim Königsforst die Erlaubnis erhielt,
beim Lüderich Erz zu schürfen.
Bei der Auffindung eines längst in Vergessenheit geratenen
alten Stollens auf dem Lüderich ist um 1900 "Gezähe", ein
bergmännisches Hauwerkzeug aus Eichenholz gefunden worden,
das aus der Anfangszeit des Bergbaus stammen könnte.
Schwerpunkt der Erzgewinnung und -verhüttung im Herzogtum
Berg war bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts das
oberbergische Eckenhagen. In dieser ersten Blütezeit des
Bergbaus im 16. Jahrhundert im Herzogtum Berg wurden neben
den Gruben im Oberbergischen nachweislich auch bereits
Bergwerke auf dem Hohn und beim Lüderich nahe Bensberg
betrieben.
Ob es an der wachsenden Konkurrenz der höherwertigen
Siegerländer Erze, an der Erschöpfung der Bergischen
Vorkommen oder an den Kriegswirren (30-jähriger Krieg) lag,
jedenfalls kam der Erzbergbau im Herzogtum Berg für ungefähr
hundert Jahre vollständig zum Erliegen.
Ganz in Vergessenheit geraten war das Wissen um die erste
Blütezeit des Bergbaus im Bergischen jedoch nicht. Herzog Jan
Wellem, bei seinen Untertanen allseits beliebter Erbauer des
Bensberger Schlosses, ließ 1692 durch seine Beamten
Nachforschungen nach den Resten des verschollenen Bergbaus
anstellen.
Seine Nachfolger auf dem Herzogsstuhl, Karl Philipp und Karl
Theodor, waren bestrebt, im Herzogtum Berg nach einem
finsteren Jahrhundert Handel und Gewerbe wieder in Gang zu
setzen.
Sie beschritten in ihrer Wirtschaftspolitik neue Wege und
stellten sich damit auf das heraufdämmernde
Industriezeitalter ein. Sie verzichteten auf das überkommene
Recht der Landesherren, Bodenschätze auf eigene Rechnung
heben zu lassen, das sogenannte "Bergregal". Sie überließen
die wirtschaftliche Initiative, aber auch die damit
verbundenen Risiken, ihren Untertanen.
Ein Antrag an die herzogliche Regierung in Düsseldorf, der ohne Ansehen der Person des Antragstellers und seines sozialen Standes binnen weniger Wochen zur Ausfertigung einer Konzession, des sogenannten "Mutscheines", führte, eröffnete jedermann die Möglichkeit, im Bergbau sein Glück zu versuchen. Die so gewonnene neue 'Bergfreiheit' stachelte die Schürfwut der Bergischen Untertanen um so mehr an, als bekannt wurde, dass der Bauer Peter Kauert aus Drabenderhöhe heimlich eine in Vergessenheit geratene alte Grube wieder geöffnet und im Lauf von zehn Jahren mit der Förderung von Eisenerz ein ungeheures Vermögen gemacht hätte. Den schuldigen Förderzehnt (Konzessionsabgabe) hatte er allerdings nicht an den Landesherren abgeführt. Das erklärt wohl die Geheimhaltung. Infolge dieser Umstände brach im Bergischen ein regelrechtes Schürffieber aus. Gab es im Bergischen zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch 10 Bergwerke, so waren es am Ende des Jahrhunderts 372. In den knapp hundert Jahren zwischen 1717 und 1812 wurden 417 "Mutungen" durchgeführt.
Die Bergischen steckten eine Unmenge an Arbeit und Geld in
derartige Unternehmungen. Viele dieser Klein- und
Kleinstbergwerke verfielen allerdings wieder, bevor sie den
erhofften Gewinn abgeworfen hatten. Am Ende der
hoffnungsvollen Mutung manch eines Glücksritters stand der
Zwang zum Verkauf von Konzession, Gerät und Grund und Boden.
In unserer Gegend versuchte als erster der Hofrat Philipp
Andreas Gumpertz, ein herzoglicher Beamter, sein Glück. Er
beantragte eine Mutung "zwei Stunden um Bensberg herum" für
die Mineralien Eisen, Kupfer, Blei und Quecksilber und
erhielt am 3. September 1740 die gewünschte Konzession. Er
grub im Milchborntal auf Quecksilber. Seine Grube "Idria" war
tatsächlich erfolgreich.
In rascher Folge wurde von verschiedenen Mutern nun eine
Serie von Grabungen eingeleitet, von denen manche heute nur
noch dem Namen nach bekannt, deren Reste in der Örtlichkeit
jedoch kaum noch aufzufinden sind.
Unter ihnen waren die Grube "Luther" (1763), "Am harten
Knippen" (1773), "an der Strasse von Bensberg nach
Herkenrath" (ebenfalls 1773; vermutlich Zusammenhang mit dem
späteren Grubenfeld Weiß) sowie verschiedene im Kirchspiel
Immekeppel (ab 1780).
Alle diese Gruben waren winzige Privatbetriebe mit geringer
Belegschaft und von wenig langer Lebensdauer. Diese Art des
Bergbaus glich mehr einem Handwerk als einem nach rationellen
Grundsätzen wirtschaftenden Industriebetrieb.
Nach der Eröffnung der Bergfreiheit und dem ersten
Montan-Boom infolge breit gestreuter Kleinkonzessionen
verflossen wieder rund 100 Jahre, bis der hiesige Bergbau
seine industrielle Ausprägung fand.
Für eine systematische Ausbeutung waren moderne Geräte und Maschinen erforderlich, und diese wiederum verlangten Kapital. Die Stunde der anonymen Kapitalgesellschaften schlug in unserem Raum zuerst den Anlagen im Sülztal. Die französische Societe d'Antonius Charles Rochaz kaufte sich 1837 am Lüderich ein, erwarb 1846 die Gewerke in Immekeppel und wurde auch in der Grube Julien in Bensberg-Kaule tätig. Die Grubenfelder und -anlagen gingen schon kurz darauf in den Besitz der belgischen Societe Anonyme du Vieille Montagne, zu Deutsch "AG des Altenbergs", über. Bis 1861 kaufte diese Gesellschaft weitere 13 kleinere Gruben hinzu, fasste sie technisch und organisatorisch zusammen und baute den Lüderich zu einem industriellen Grossbetrieb mit angeschlossener Aufbereitung aus. Gewonnen wurde vor allem Zink, das erst neuerdings durch die Einführung neuer Schmelzmethoden überhaupt verhüttet werden konnte. Eisen, Kupfer, Silber und Quecksilber spielten keine Rolle mehr, Blei nur noch in geringem Umfang.

Mit den überkommenen Gruben im Volbachtal ging es ähnlich.
Die Gewerkschaft "Berzelius", die seit 1851 das gleichnamige
Grubenfeld unterhalb Herweg/Ehrenfeld bearbeitete, erwarb
1867 die Zinkhütte in Bergisch Gladbach hinzu und vereinigte
in ihrer Hand Förderung, Aufbereitung und Verhüttung.
Als dritte größere Gesellschaft trat die
"Rheinisch-Nassauische Bergwerks- und Hütten AG" auf den
Plan. Sie erschloss das Grubenfeld Weiß und baute diese
eigentliche Moitzfelder Grube zu einem großen Betrieb
aus, der durchaus nach industriellen Maßstäben wirtschaftete.
Unter ihrem späteren Namen "Stolberger Zink" ist diese
Gesellschaft vielen Einheimischen auch heute noch ein
Begriff.
Infolge des Kapitalzuflusses und der Konzentration der
Betriebe kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
zur Neugründung einer ganzen Reihe von kleineren Gruben, die
sich an die genannten Grossbetriebe anlehnten.
Im technischen wie im wirtschaftlichen Sinne verflochten mit
der Grube Berzelius, die als Grube oberhalb von
Moitzfeld galt und deren Halbfabrikat mit
Pferdefuhrwerken die Wipperfürther Strasse hinab durch
Bensberg zur Zinkhütte nach Gladbach gekarrt werden musste,
waren die Gruben Columbus, Georg Forster und Apfel im
Volbachtal.
Zur Grube Weiß gehörten die Zweigbetriebe Blücher, Jungfrau,
Washington und Leopold von Buch. Von hier aus musste das
ausgelöste Metallpulver zum Bahnhof Bensberg, später zum
Bahnhof Untereschbach geschafft und dort in Waggons
umgeschlagen werden.
Im Jahre 1881 wurden in unserer engeren Heimat 28 Gruben
betrieben, in denen 2.348 Personen beschäftigt waren.
Zusammen mit ihren 4.596 Familienangehörigen machten diese
fast 7.000 Menschen aus, die in dieser Zeit unmittelbar vom
Bergbau lebten. Nicht eingerechnet ist in diese Zahl die
beachtliche Menge von Angehörigen anderer Berufe, die
mittelbar, z.B. als Fuhrleute und Holzlieferanten, vom
aufblühenden Bergbau profitierten.
Der industriell betriebene Erzbergbau riss unsere dörfliche
Heimat mit einem Schlag aus ihrem bisherigen
Dornröschenschlaf heraus. Die Bensberger Montanindustrie war,
was die Anzahl der Arbeitsplätze anlangt, zu einem
ernstzunehmenden Konkurrenten der Gladbacher Papierindustrie
geworden.
Der wirtschaftliche Aufschwung der Region hatte aber auch
unliebsame Folgen. Die ausgebeutete Landschaft wandelte ihr
Bild von der ländlichen Idylle in wahre Geröllwüsten bei den
Halden der Grube Weiß auf dem "Ravesack" und im Freudental
bei der Grube Berzelius.
Die Kamine der Maschinenhäuser pusteten ihren Qualm
ungefiltert und ungestört in den Wind. Aus den Abraumhalden
wusch der Regen mineralische Rückstände aus und führte den
Wasserläufen giftige Lösungen zu.
Ein Dammbruch des Klärteiches der Grube Weiß führte 1932 zu
einer Katastrophe. Klärschlamm überflutete die talabwärts
gelegenen Wiesen und Weiden und machte sie für lange Zeit
unbrauchbar. Vieh verendete, Gehöfte wurden verwüstet. Die
Schlammflut wälzte sich das Eschbachtal hinunter nach
Untereschbach und richtete auch dort großen Schaden an.
Die Männer, vor allem junge Leute und häufig ohne
Berufsausbildung, zog es als Hauer in die Gruben, wo zwar
schwerste körperliche Arbeit zu verrichten war, aber auch
Geld verdient werden konnte. Da entsprechende
Schutzvorrichtungen anfangs fehlten ereilte viele von ihnen
mit kaum mehr als 40 Jahren die tödliche Staublunge. Die
häufige Folge davon war eine unversorgt zurückbleibende
kinderreiche Familie, die nun erst recht auf ihre
"Bergmannskuh", die Ziege, und den Garten zur
Selbstversorgung lebensnotwendig angewiesen war.
Die Arbeitsbedingungen unter Tage waren sehr hart. Die Männer
trugen dabei blauleinene Hosen und Kamisols, auf dem Kopf
simple Filzhüte. Schutzkleidung, zumal Helme zur Abwehr
herabstürzender Gesteinsbrocken, waren unbekannt.
Entsprechend häufig und schwer waren die Grubenunglücke in
jener Zeit.
Die Arbeit der Bergleute wurde noch dadurch erschwert, dass
sie in der Regel weite Wege zu ihrer Grube zu Fuß
zurückzulegen hatten. Im Dezember 1857 dauerte der Arbeitstag
des Bergmanns vor Ort acht Stunden.
In diesem Dezember teilte eine der hiesigen
Bergwerksgesellschaften ihrer Belegschaft mit, vom 1. Januar
1858 an werde die tägliche Arbeitszeit auf 12 Stunden
heraufgesetzt. Diese Maßnahme war der Anlass, dass die
empörten Arbeiter mehrerer Gruben am 2. Januar ihre Arbeit
niederlegten und sich zu einem Protestmarsch zum Sitz der
Grubenverwaltung in Bensberg formierten.
Bei dem so ausgelösten sozialen Konflikt konnte sich die
Bergwerksleitung' jedoch mit dem Argument durchsetzen, dass
außer im Bensberger Revier überall im Bergbau der
12-Stunden-Arbeitstag üblich sei. Die Behörden nahmen
übrigens bei dieser Auseinandersetzung Partei für die
Bergwerkseigner, da deren Argument offensichtlich der
Wahrheit entsprach und die öffentliche Ordnung durch die
Zusammenrottung der Bergleute gefährdet erschien.
Für viele Bergleute bedeutete dieser Ausgang des
Arbeitskonfliktes wegen der weiten Anmarschwege eine tägliche
14-stündige Abwesenheit von ihrer Familie. Die Frauen hatten
neben der Versorgung von Haushalt und Kindern auch das
Betreiben der Kleinlandwirtschaft zu bewerkstelligen.
Selbstverständlich besserte sich die Lage der Bergarbeiter
gegen die Jahrhundertwende infolge des technischen
Fortschritts, aber auch infolge des geschärften sozialen
Bewusstseins und der Sozialgesetzgebung. Auch die
Gesellschaften selber erkannten im Lauf der Zeit die Brisanz
der sozialen Frage. Die Hessisch-Nassauische
Bergwerksgesellschaft errichtete z.B. "in Platz eine
Bergarbeitersiedlung mit 25 Wohnungen". Damit sind die
Wohnhäuser rund um den Erlenhof gemeint sind.
Bevor jedoch alle sozialen Maßnahmen zur vollen Auswirkung
gelangen konnten, war die späte dritte Blüte des Bergbaus in
Moitzfeld wieder vergangen.
Das Grubensterben infolge mangelhafter Ausbeute erfasste
zunächst die kleineren Zweigbetriebe. 1924 stellten Berzelius
und Georg Forster ihren Betrieb ein. Der Niedergang der
Gruben fiel mit der ersten großen Rezession und
Weltwirtschaftskrise unseres Jahrhunderts praktisch zusammen.
Massenarbeitslosigkeit und Massenelend waren die Folge.
1930 ereilte die Grube Weiß das gleiche Schicksal wie
Berzelius. Der Bergbau unter Tage in Moitzfeld war
erloschen.
Einzig die Grube Lüderich (heute ein Golfplatzgelände) konnte
sich in den folgenden Jahrzehnten noch halten, bis auch sie
1978 das Handtuch werfen musste.
Textliche Überarbeitung einer Schrift "aus Anlass der
Einweihung der Seilscheibe der ehemaligen Grube Weiß" in
Moitzfeld, Franz Josef Heyberg, 18. Mai 1983